Zeiten der Reinheit - Orte der Unzucht

Ehe und Sexualität in Basel während der Frühen Neuzeit
Schöningh, Paderborn 1999


Die Reformatoren erklärten die Ehe zur einzig gültigen Lebensform. Die langfristigen Folgen dieser Aufwertung untersucht die vorliegende Studie über Basel vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Erst Reformation und Konfessionalisierung zusammen haben in einem dialektischen Prozeß die Aufwertung der ehelichen Sexualität mit der vollständigen Ausgrenzung aller nicht-ehelichen Sexualität als Unzucht verschränkt.

Um diesen Prozeß analytisch zu fassen, verbindet die Studie das ethnologische „Prinzip“ Reinheit (M. Douglas) mit dem Konfessionalisierungsparadigma (H. Schilling) der Früh-
neuzeitforschung. Konzeptuell stand im Zentrum der Basler Moralpolitik die Reinheit der Gesellschaft. Im Zuge der Kon-
fessionalisierung setzte sich statt einer integrativen eine zunehmend repressive Politik durch. Statt Worte, nämlich die umstrittenen Eheversprechen und ihre Gültigkeit, zu beurteilen, verurteilte das Ehegericht nun immer ausschließlicher Taten, konkret alle Formen nicht-ehelicher Sexualität. Die wachsende Sexualisierung und Kriminalisierung der Geschlechter-
beziehungen vor dem Ehegericht traf Männer und Frauen, wenn auch in ungleicher Art und Weise. Unter Einbezug rechts-, theologie-, alltags- und diskursgeschichtlicher Fragestellungen wird hier Geschlechtergeschichte als allgemeine Geschichte geschrieben.

 

 

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